Musik und Menschlichkeit: Diebolds Skooter als Treffpunkt der Generationen

Wenn man in Karlshuld über den Festplatz schlendert, gehört ein Name untrennbar dazu: Diebold. Seit über fünf Jahrzehnten prägt die Familie Diebold mit ihren Autoskootern das Bild des Donaumoosvolksfests. Im Gespräch lässt er die Geschichte Revue passieren – von „harter Knochenarbeit“ über die Geburtsstunde des „Driftens“ bis hin zur Zukunft einer echten Schausteller-Dynastie.

Karlshuld im Jahr 1972: Ein zehnjähriger Junge, der vier Jahre im Internat war, wird an der Schule der Donaumoos-Gemeinde sofort freundliche aufgenommen. Dieser Junge war Edmund Diebold jun. Heute, über 50 Jahre später, kommt er immer noch zum Donaumoos-Volksfest – gereift, erfahren, aber mit der gleichen Leidenschaft wie am ersten Tag.

Vom Zeltbau zur Hightech-Anlage

Wer heute sieht, wie modern ein Autoskooter aufgebaut wird, vergisst oft die körperlichen Strapazen der Vergangenheit. „Damals mussten wir die Anlage wie ein Bierzelt aufstellen“, erinnert sich Diebold. „Alles wurde mit der Leiter oben zusammengesteckt. Das war ein enormer Aufwand.“ 

Über die Jahrzehnte folgte der technische Wandel. 1980 übernahm Edmund Diebold jun. den legendären Säulen-Scooter seines Vaters (Baujahr 1960). Mussten früher 60 bis 70 Tonnen händisch abgeladen werden, sind heute dien Anlagen auf einem Anhänger montiert, werden hydraulisch ausgeklappt – eine enorme Erleichterung. Auch die Wartung hat sich gewandelt: Hatte man früher täglich schwarze Hände von der Reparatur defekter Wagen, sorgt heute wartungsarme LED- und RGB-Technik für faszinierende Lichteffekte und Zuverlässigkeit.

„Daddy Cool“ und die Mösler

Die Musikauswahl im Skooter ist seit jeher der Puls der Zeit. In den 70ern dröhnte „Daddy Cool“ von Boney M. über die Fahrfläche – so lautstark, dass Diebolds Mitarbeiter Detlef prompt diesen Spitznamen erhielt. Heute ist das Programm breiter gefächert: Von aktuellen Charts bis hin zu Klassikern und Filmmusik ist alles dabei.

Und das Publikum? Das ist im Donaumoos besonders. „Die Mösler tragen ihr Herz auf der Zunge“, lacht Diebold. „Auf der Fahrbahn kracht es hier schon öfters, es geht deftig zu, aber immer herzlich.“ Besonders berührt ihn die Kontinuität: „Vor zehn Jahren wurde mir erst richtig bewusst, dass wir Generationen verbinden. Da stand ein Opa mit seinem Enkel am Platz und sagte: ‚Schau, beim Diebold bin ich schon gefahren, dein Papa auch, und jetzt darfst du ran.‘“

Krisen, Kurven und die Kunst des Driftens

Doch die 50 Jahre waren nicht immer nur „Zuckerlecken“. Diebold erinnert sich an harte Zeiten, wie das Jahr 1979, als Personalmangel und Schulden das Geschäft belasteten. Auch die Jahrtausendwende forderte seinen Tribut. „Die Umsätze gingen deutlich zurück, aber nach Corona hatten wir wieder sehr gute Jahre“, bilanziert der Fachmann.

Die neueste Innovation, die derzeit für Begeisterung sorgt: Die sogenannten „Drifter“. Von den rund 50 Wagen im Bestand der Diebolds sind 16 in Karlshuld im Einsatz. „Per Knopfdruck klinkt sich die Hinterachse aus, das Heck schwenkt aus und man driftet über die Bahn“, erklärt Diebold stolz. Ein Fahrgefühl, dem sich selbst seine Ehefrau – eine Quereinsteigerin in die Branche – nicht entziehen kann.

Eine Dynastie blickt nach vorn

Die Zukunft der Diebold-Tradition scheint gesichert. Sohn Florian führt bereits einen eigenen, größeren Autoskooter-Betrieb in der vierten Generation. Für die aktuelle Anlage, die gerade in Karlshuld steht, hat sich Edmund Diebold jun. mit dem jungen Nürnberger Georg Schweizer einen Juniorpartner ins Boot geholt. 

„Die jungen Leute haben gute Ideen, und die Technik bleibt nicht stehen“, sagt Diebold. Doch eines ist ihm wichtig: „Die Erfahrung von 50 Jahren bekommt man nicht in drei Monaten.“ Die Geschichte der Familie reicht weit zurück, bis in die 1930er Jahre, als sein Großonkel bereits beim legendären „Karussellkönig“ Hugo Haase als Geschäftsführer tätig war.

Nach über 50 Jahren in Karlshuld ist für Edmund Diebold klar: Der Autoskooter ist mehr als ein Fahrgeschäft – er ist ein Stück Lebensgefühl, das auch nach über einem halben Jahrhundert nichts von seiner Faszination verloren hat.

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